Kooperation mit dem Jugendamt zur Familienförderung

Während der Corona-Pandemie hat sich die Situation vor allem für Alleinerziehende maßgeblich verschlechtert.

Während der Corona-Pandemie hat sich die Situation vor allem für Alleinerziehende maßgeblich verschlechtert.

Ein Schwerpunkt der Soforthilfe-Initiative von Bürgerstiftung Kreis Ravensburg und CHG-MERIDIAN ist die Unterstützung für Kinder, Jugend und Familie. So erhielten zum Beispiel mehrere Schulen im Landkreis Ravensburg Laptops und Drucker für SchülerInnen, deren Eltern sich diese technische Ausstattung fürs Homeschooling nicht leisten können. Ein weiteres Projekt richtete sich an Kinder, die in der ersten Klasse aufgrund der Schulschließungen das Lesen und Schreiben nicht ausreichend erlernen konnten. Sie wurden zu Beginn des neuen Schuljahres von qualifizierten Lehramtsstudierenden der Pädagogischen Hochschule Weingarten in Intensivgruppen gefördert.

In Kooperation mit dem Jugendamt Ravensburg wurden stark belastete Familien im Landkreis über die bestehenden Kontakte des allgemeinen Sozialen Dienstes gezielt mit Gutscheinen für Lebensmittel, Drogerieartikel, Spielsachen oder ähnlichem unterstützt. Dafür hat die Bürgerstiftung Soforthilfemittel in Höhe von knapp 7.000 Euro zur Verfügung gestellt, die bedarfsgerecht an vom Jugendamt begleitete Familien vergeben wurden.

Oftmals gehe es lediglich darum, den „Hausfrieden“ in einer angespannten Lage aufrechtzuerhalten, heißt es im Antrag auf Soforthilfe. Die oft räumliche Enge und wenig finanzielle Mittel bieten großes Spannungspotenzial in den Familien. Das Homeschooling stellt eine weitere Herausforderung dar. In Zeiten von Corona ist es für ambulante Fachkräfte schwieriger geworden, die betreuten Familien zu erreichen, denn Hausbesuche können nur bei besonderem Betreuungsbedarf stattfinden. Spiele bieten beispielsweise einen guten Türöffner, um in problematischen Fällen in Kontakt mit den Kindern zu treten.

Außerdem konnten durch die zur Verfügung gestellten Fördermittel schnell und unbürokratisch Hilfen gewährt werden, um den Familien alltägliche Besorgungen zu ermöglichen und damit eine Sorge aus dem Weg zu räumen. In den meisten Familien liegen sehr schwierige finanzielle Verhältnisse vor. Diese verschärfen sich oftmals, wenn die gesamte Familie den ganzen Tag Zuhause ist. Finanzielle Probleme sind oft Auslöser von häuslicher Gewalt. Schnelles Handeln kann vorbeugen und zur Deeskalation beitragen, indem direkt dort geholfen wird, wo es gerade klemmt. Auch kleinere Beträge und Freuden im herausfordernden Corona-Alltag können dabei helfen, wie anhand einiger Beispiele deutlich wird: 

  • Eine alleinerziehende Mutter aus Ravensburg mit acht Kindern musste deutlich höhere Kosten für Lebensmittel durch den Wegfall der Betreuung in Kita und Schule schultern und erhielt 200 € für den Einkauf von Lebensmitteln.
  • Für einen Vater aus Bergatreute stellte die Aufnahme des Sohnes bei sich in der Wohnung eine ungeplante finanzielle Belastung dar. Um die Teilhabe am Homeschooling zu gewährleisten, wurde ein Toner für den Drucker der Familie gekauft.
  • Eine in Leutkirch lebende Patchworkfamilie mit drei Kindern wurden mit Spielsachen für Draußen, etwa Straßenmalkreide und einem Federballset, ausgestattet.
  • Für eine Mutter aus Ravensburg wurde ein gebrauchtes Fahrrad angeschafft, das sie dringend benötigte, um zur Arbeit zu fahren, insbesondere durch die enge zeitliche Taktung während der Phase, in der ihre Tochter nicht mehr zur Schule gehen konnte.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine weitere Projektunterstützung für das kostenfreie Angebot TANDEM plus, das vom Jugendamt Ravensburg koordiniert wird und an zahlreichen Standorten im Landkreis offene Treffs für alleinerziehende Eltern und Patchworkfamilien anbietet. Der Flyer zum Angebot steht unten im Downloadbereich zur Verfügung.

Die durch TANDEM plus begleiteten Familien sind oftmals besonders hart von den Folgen der Pandemie betroffen. „Alleinerziehende und deren Kinder gehören, unabhängig der gegenwärtigen Pandemie, zu einer der am häufigsten von Armut betroffenen und/oder bedrohten Bevölkerungsgruppen. Wie in vielen anderen Bereichen auch wirkt die Pandemie hier wie ein Verstärker“, sagt Jessica Kohlbauer vom Jugendamt Ravensburg. Ob ein kaputter Staubsauger, ein benötigter Autokindersitz, Holz für den Ofen oder Winterkleidung für die Kinder – diese Bedarfe können Familien in einer schwierigen finanziellen Situation vor große Herausforderungen stellen. In den meisten Fällen erfolgte die Untersützung dieser Zielgruppe allerdings in Form von Gutscheinen für Lebensmittelketten, was die Not besonders unterstreicht.

Wir freuen uns, dass eine tragfähige und wirkungsvolle Kooperation zwischen Bürgerstiftung und Jugendamt entstanden ist, durch die bereits zahlreiche Familien unterstützt werden konnten.

Weitere Informationen & Downloads

Schwäbische Zeitung Ravensburg-Weingarten, 3. Februar 2021: Alleinerziehende leiden besonders unter der Pandemie

PDF

DOWNLOAD

Flyer "TANDEM PLUS" - ein kostenfreies Angebot für Alleinerziehende und Patchworkfamilien

PDF

DOWNLOAD